Laser-Tattooentfernung und Krebs-Risiko

Laser-Tattooentfernung und Krebs-Risiko

Eine gemeinsame Stellungnahme dreier renommierter Derma-Fachgesellschaften.

November 2023, JEADV Sonderausgabe Band 37, Heft 11: Die EADV-Arbeitsgruppe Tattoo and Body Art Task Force, die European Society for Lasers and Energy Based Devices (ESLD) und die Société Française des Lasers en Dermatologie (SFLD) haben im Juli 2023 ein gemeinsames Statement zum Krebs-Risiko bei der Laser-Tattooentfernung abgegeben.

Ein Tattoo aus der längst vergangener Jugendzeit? Der Name von bereits verflossenen Liebschaften? Oder einfach nur zu wenig Platz auf der eigenen Haut für ein neues Tattoo-Motiv? Die Hintergründe, sich eine Tätowierung entfernen zu lassen, sind mindestens so vielfältig wie die sich eines stechen zu lassen.

Wer sich in diesem Bereich schon auskennt, der weiß, dass hierzu in der Dermatologie spezielle und hochenergetische Lasersystem-Varianten zum Einsatz kommen. Ultrakurze Laserimpulse einer speziellen und hierfür geeigneten Laserlicht-Wellenlänge zertrümmern die in der Haut auf Dauer eingelagerten Tattoo-Pigmente. Überbleibende Molekül-Fragmente werden im Heilungsverlauf zwischen den einzelnen Laser-Sitzungen innerhalb von Wochen und Monaten vom körpereigenen Immunsystem abgebaut und ausgeschieden. Dieses Behandlungsverfahren gilt weltweit seit gut vier Jahrzehnten als Goldstandard bei der Tattooentfernung.

Verursacht eine Tattooentfernung mittels Laser Krebs?

Auf diese wichtige Frage haben vor einiger Zeit die EADV-Arbeitsgruppe für Tätowierung und Körperkunst, die Europäische Gesellschaft für Laser und Energiebasierte Geräte (ESLD) und die Société Française des Lasers en Dermatologie (SFLD) gemeinsam eine Antwort formuliert und im Journal of the European Academy of Dermatology & Venereology veröffentlicht.

„Derzeit gibt es keine Daten, die auf ein erhöhtes Risiko von Hautkrebs oder anderen Krebsarten bei Patienten hinweisen, die sich einer Tattoo-Entfernung per Laser unterzogen haben.“  

Drei große Europäische Berufsverbände, Nicolas Kluger et al.

Zum Hintergrund:

(Hinweise auf mögliche Risiken aus präklinischen Studien)

Laserimpuls-Licht kann bestimmte Pigmente, die in Tätowierfarben verwendet werden, in krebserregende Abbauprodukte zersetzen. Auf diese gibt es einzelne Hinweise aus klinischen Studien auf ein erhöhtes Risiko für Krebsarten, wie Leber- oder Nierenkrebs.

Die drei Fachgesellschaften fanden hierbei genug Gründe, um Untersuchungen über die Sicherheit der Laser-Tattooentfernung aus onkologischer Sicht durchzuführen.

Es scheint allerdings sehr schwierig zu sein, aus diesen präklinischen Daten die karzinogene Wirkung des Laser-Verfahrens auf den Menschen abzuleiten. Ergebnisse werden von einer Vielzahl von Variablen beeinflusst. Darunter die Pigmentdichte und -tiefe in der Haut, die Körperstelle und das Alter der Tätowierung. Dazu kommt, dass professionelle Tätowierer weniger Tätowierfarbe in die Haut ihrer Kundschaft injizieren als Forscher bei ihren Versuchsaufbauten Pigmente in die Petrischale geben. Hinzukommen nicht nur das natürliche Phänomen, dass Pigmentkonzentrationen in der menschlichen Haut im Laufe der Zeit abnehmen, sondern hier bisher auch der alltägliche Sonnenlicht-Einfluss auf Haut und darin steckende Pigmente weitestgehend unberücksichtigt bleibt.

Bedenken der Forscher

Einige Forscher haben ihre Bedenken bei großflächigen Tätowierungen hinsichtlich eines erhöhten Krebsrisikos geäußert. 3,3′-Dichlorbenzidin wird während der Laserstrahlung in höherer Menge freigesetzt, was ein krebserregendes Abbauprodukt organischer Pigmente ist. In der Stellungnahme wird aber auch betont, dass diese Gedanken auf extremen Situationen basieren, die nicht der Realität entsprechen.

Die Forschung konzentrierte sich zudem hauptsächlich auf Q-switched Rubin- oder Nd:YAG-Laser, während kaum Untersuchungen zur Entfernung von Tätowierungen mit CO2-Lasern durchgeführt wurden. Vereinzelte Berichte über Hautkrebs, der in einem gelaserten Hautareal einer Tätowierung festgestellt wurde, können bislang nicht eindeutig auf das Laser-Verfahren zurückgeführt werden

Weiter heißt es in der Stellungnahme (Zitat:): „Auf Basis der aktuell verfügbaren umfangreichen Erfahrungen gibt es keinen Grund für die Behauptung, dass dieses Verfahren potenziell Krebs auslösen kann. Um diese Frage weiter zu untersuchen, sind groß angelegte prospektive epidemiologische Erhebungen erforderlich, aber die Organisation solcher Studien wäre äußerst komplex.

Quelle: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jdv.19332

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