MTP-FLIM – oder das neue Tattoo-Kino

MTP-FLIM – oder das neue Tattoo-Kino

Es sollte nicht so despektierlich klingen, wie in unserer Headline hier, aber die Überschrift

„In-vivo-Visualisierung von Tattoo-Partikeln mittels Multiphotonen-Tomographie und Fluoreszenzlebensdauer-Bildgebung“

war einfach zu lang und ehrlich gesagt: „Ehm, … what?“

Mal ganz von vorne. Tätowierungen sind ja nun bekannter Maßen ein weltweit verbreitetes Phänomen durch alle Gesellschaftsschichten, durch Regierungs-, Büro- oder Krankenhäuser, von Schule bis in den Kleingarten.

Diejenigen, die noch keins haben, haben eben keins. Aber wussten Sie, dass es Technologien gibt, mit denen man die mikroskopisch kleinen Tattoo-Partikel in Ihrer Haut sichtbar machen kann? Und ohne sie gleich aufzuschneiden?

Multiphotonen-Tomographie (MPT) und Fluoreszenzlebensdauer-Bildgebung (FLIM)

MPT und FLIM sind zwei Methoden, die gemeinsam verwendet werden, um Ihre Tattoo-Partikel zu lokalisieren, zu verfolgen und die Verteilung in Ihrem Körper zu untersuchen.

Dabei klingt die MPT Multiphotonen-Tomographie nicht nur total abgespacet, sondern ist eine Art von optischen Tomographie, die es ermöglicht, dreidimensionale Bilder von Geweben in Ihrem Körper zu erstellen.

Dazu nimmt man mehrere zweidimensionale Bilder auf und fügt diese zusammen. Das macht natürlich nicht der Fotograf, sondern ein Computersystem aber man nutzt die Tatsache, dass Gewebe unterschiedlich auf Licht von verschiedenen Wellenlängen reagiert und mehrere Photonen ein Bild erzeugen.

Diese Methode ermöglicht es in Ihr Hautgewebe einzudringen und kleinste Partikel, wie zum Beispiel Ihre Tattoo-Pigmente, sichtbar zu machen.

FLIM, oder die Fluoreszenzlebensdauer-Bildgebung, ist dazu eine Technik, die das Leuchten von fluoreszierenden Molekülen im Hautgewebe messen kann.

Diese Technik ermöglicht es, die Verteilung und die Lebensdauer von fluoreszierenden Molekülen in Ihrem Körper zu untersuchen.

Da viele Tattoo-Pigmente fluoreszieren, kann hierdurch also auch die Verteilung von Tattoo-Pigmenten im Körper nachverfolgt werden.

Fügt man die beiden Techniken nun zusammen, kann die MTP-FLIM ein tieferes Verständnis darüber geben, wie sich Tattoo-Pigmente im Körper verhalten, verteilen und sich im Laufe der Zeit möglicher Weise verändern.

Wir sehen MTP-FLIM vor allen Dingen als echte Errungenschaft für die Tätowierung, da man bisher ja vor allen Dingen an Mäusen und Ratten herum gedoktert hat.

Dünne, nicht menschliche Haut mit extrem viel Fingerspitzengefühl und eher halbseiden tätowieren, aufschneiden und unterm Elektronenmikroskop gucken, wo man getroffen hat.

Mit der MTP-FLIM Technologie bleibt uns also nicht nur die Maus glücklicher Weise erhalten, sondern kann jetzt auch gezielt in der menschlichen Haut festgestellt, wo sich Tattoo-Partikel tatsächlich final einlagern.

Ob dies in den vollgefressenen Makrophagen ist oder doch eher zwischen den Kollagenfasern, wie von verschiedensten Seiten angenommen?

Wofür ist MTP-FLIM wichtig?

Die MTP-FLIM Technik kann vor allen Dingen dabei helfen, potenzielle Gesundheitsrisiken von Tätowierungen bzw. Tätowierfarben und ihren Ingredienzen besser zu verstehen und gegebenenfalls zu minimieren.

Man sollte jedoch dazu beachten, dass diese Technologien noch in der Entwicklungsphase stecken und weitere Studien erforderlich sind, um ihre Anwendbarkeit in klinischen Erhebungen zu bestätigen.

Eine bemerkenswerte Forschungsgruppe hat sich hierfür rund um Frau Dr. med. Lynhda Nguyen aus der Laserabteilung der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) gebildet.

Lynhda und ihre Kollegen Dipl. Inf. Christian MeßProf. Dr. med. Stefan W. SchneiderDr. med. Volker Huck und Frau Dr. Katharina Herberger haben bereits im Juli 2022 einen sehr lesenswerten Forschungsartikel zu Ihrer gemeinsamen Arbeit verfasst und über Experimentelle Dermatologie, John Wiley & Sons Ltd. veröffentlicht.

Bitte unbedingt mal den Voll-Text der Arbeit lesen:

Dr. Lynhda Nguyen et al.

DOI: 10.1111/exd.14646

First published: 15 July 2022

© 2022 The Authors. Experimental Dermatology published by John Wiley & Sons Ltd.

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