Guten Morgen Amerika – what’s in your Tattoo Ink?

Guten Morgen Amerika – what’s in your Tattoo Ink?

Ende August 2022 trafen sich tausende Chemie-Experten zur Herbst-Tagung der ACS (American Chemical Society) im McCormick Place Convention Center (MPCC) in Chicago (IL, USA).

Gemeinsam tauschte man sich über Erkenntnisse aus und erweiterte das neue Wissen.

Dabei scheint vor einiger Zeit jemandem aufgefallen zu sein, dass für Tätowierungen verwendete Farben in den USA nicht reguliert und hierin enthaltene Bestandteile weitestgehend unbekannt sind.

Auslöser hierfür ist wohl unter anderem auch das Vorgehen der EU-Kommission im Zuge des Tätowierfarben-Verbots und ihrer Tattoo-REACH.

US-Forscher haben daraufhin fast 100 Tätowierfarben analysiert und festgestellt, dass selbst wenn diese US-Produkte ein Etikett mit Inhaltsstoffen vorweisen, diese oft nicht korrekt sind. Ihre Forschungs-Ergebnisse stellten sie nun auf der Herbsttagung der ACS vor.

„Die Idee zum Projekt entstand ursprünglich, weil ich mich dafür interessierte, was passiert, wenn Laserlicht zur Tattooentfernung verwendet wird“. Sagt Dr. Swierk, Assistenz Professor of Inorganic Chemistry und Leiter des Forschungsprojekts. „Aber dann wurde mir klar, dass nur sehr wenig über die Zusammensetzung von Tätowierfarben bekannt ist. So begannen wir gängige US-Marken zu analysieren.

Dr. John Swierk ist Gründer der Swierk-Research-Group im Department of Chemistry an der Binghamton University (State University of New York).

Die Gruppe beschäftigt sich damit zu verstehen, wie chemische Reaktionen durch Lichteinfluss vorangetrieben werden.

Swierk und seine Labor-Studenten befragten für ihr Projekt Tätowierer, um herauszufinden was sie über ihre verwendeten Tätowierfarben wissen.

Es stellte sich heraus, dass sie zwar schnell bevorzugte Produktmarken identifizieren konnten aber nicht viel über deren Inhalt oder Zusammensetzung wussten.

„Überraschenderweise stellt niemand spezielle Pigmente für Tätowierfarben her“, erklärt Swierk. „Wenige große Unternehmen stellen Pigmente für alles Mögliche her. Zum Beispiel für Malerfarben oder Textilien. Die gleichen Pigmente werden aber auch in Tätowierfarben verwendet.“

Der Inhalt von Tätowierfarben ist in den USA weitestgehend unreguliert

Er weist in seinem Vortrag auch darauf hin, dass Tätowierer in den US-Bundesstaaten, in denen sie tätig sind aus Sicherheitsgründen zwar eine Lizenz benötigen, dass aber keine Bundes- oder Lokal-Behörde den Inhalt der Tätowierfarbe regelt.

Swierks Team hat die Partikelgröße und die molekulare Zusammensetzung von Tätowierpigmenten mit verschiedenen Techniken analysiert.

Dazu zählen die Raman-Spektroskopie, kernmagnetischer Resonanzspektroskopie und die Elektronenmikroskopie.

Unter anderem konnte dabei das Vorhandensein von Inhaltsstoffen bestätigt werden, die auf manchen Etiketten nicht aufgeführt wurden.

In einem Fall war beispielsweise Ethanol nicht aufgeführt, aber die chemische Analyse zeigte, dass es in der Tinte vorhanden war. Das Team konnte auch feststellen, welche spezifischen Pigmente in einigen Tinten enthalten sind.

„Jedes Mal, wenn wir uns eine der Tätowierfarben ansahen, fanden wir etwas, das mich stutzig machte“, sagt Swierk. „Zum Beispiel deuten 23 von 56 verschiedenen Farben darauf hin, dass ein AZO-haltiger Farbstoff vorhanden ist. Obwohl viele Azo-Pigmente gesundheitlich unbedenklich sind, wenn sie chemisch intakt sind, können sie durch Bakterien oder ultraviolettes Licht zu einer anderen stickstoffhaltigen Verbindung abgebaut werden.

Diese kann nach Angaben der unabhängigen wissenschaftlichen Beratungsstelle der Europäischen Union potenziell krebserregend sein.

Darüber hinaus hat die Swierk-Gruppe 16 Tätowierfarben mit Hilfe der Elektronenmikroskopie analysiert. Etwa die Hälfte enthielt Partikel, die kleiner als 100nm waren.

„Das ist ein besorgniserregender Größenbereich“, sagt Swierk. „Partikel dieser Größe können durch die Zellmembran dringen und möglicherweise Schaden anrichten.“

And what’s in my ink?

Nachdem die Forscher einige weitere Tests durchgeführt und Daten begutachtet hatten, entschlossen sie sich eine Website ins Leben zu rufen.

Über „What’s in my Ink?“ werden seither Daten und Informationen veröffentlicht, um Verbrauchern und Künstlern die Möglichkeit zu geben, fundierte Entscheidungen zu treffen.

Und um zu verstehen, wie genau die bereitgestellten Informationen über Tätowierfarben sind.

Whats-in-my-ink-Website-Copyright-Swierk-Research-Group-Department-of-Chemistry-Binghamton-University-2022-for-DocTattooentfernung

Es gibt überraschend wenige FDA-Richtlinien für die in Tätowierfarbe verwendeten Materialien. Obwohl Tätowierfarben in die Haut gestochen werden, gehören sie zu den Kosmetika.

Laut „What’s in my Ink?“ werden sie in der Regel nur im Detail untersucht, wenn ein Sicherheitsproblem geäußert wird, jedoch nicht im Zuge eines Zulassungs-/Standardverfahren.

AXS founded in 1876 and chartered by the U.S. Congress, we are one of the world’s largest scientific organizations with membership of over 151,000 in 140 countries.

Über die American Chemical Society (ACS)

Die ACS wurde 1876 am College of Pharmacy in New York mit dem Ziel gegründet, wissenschaftliche Arbeiten und Ergebnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Mit über 151.000 Mitgliedern in 140 Ländern ist sie eine der größten wissenschaftlichen Organisationen der Welt. 

Ihre Mission ist es, die Chemie im weiteren Sinne und ihre Praktiker zum Wohle der Erde und ihrer Menschen voranzubringen. Ihre Vision ist es, das Leben der Menschen durch die transformierende Kraft der Chemie zu verbessern.

Sie ähnelt damit der bereits 1867 in Berlin gegründeten Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).  

Quelle, Text & Interview-Ziitate: Forbes, Eva Amsen, freelance science writer, focused on stories behind the research. https://www.forbes.com/sites/evaamsen/2022/08/24/chemists-unco

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